Bausparvertrag im Vergleich

Wissenswertes zum Bausparvertrag

Der Bausparvertrag ist ein sehr flexibles Finanzprodukt, welches in erster Linie von den Bausparkassen angeboten wird. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Banken, die mit einer Bausparkasse kooperieren und ihren Kunden in diesem Zusammenhang auch Produkte aus dem Bereich Bausparen anbieten können. Grundsätzlich handelt es sich beim Bausparvertrag sicherlich um kein ganz einfaches Produkt, sodass der Vertrag teilweise von Kunden genutzt wird, deren Ziele nicht unbedingt mit den Eigenschaften übereinstimmen, durch die sich das Bausparen auszeichnen kann. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch zahlreiche Verbraucher, denen zwar mit dem Bausparen die optimale Lösung zur Verfügung stände, die das Produkt allerdings nicht nutzen.

Themenübersicht zum Bausparvertrag

Der Kern des Bausparvertrages

Die wohl wesentlichste Eigenschaft besteht bei einem Bausparvertrag darin, dass dieses Produkt im Prinzip in zwei große Teilbereiche gegliedert werden kann. Der Bausparvertrag ist in vielen Fällen nämlich eine Mischung zwischen Sparvertrag und späterem Darlehensvertrag, wobei dies nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Nicht wenige Verbraucher nutzen den Bausparvertrag nämlich ausschließlich als Sparvertrag, was in der Praxis auch sehr gut möglich ist, da die Aufnahme des Bauspardarlehens keinesfalls zwingend vorgeschrieben ist. Trotzdem kann der Bausparvertrag seine gesamte Stärke im Prinzip nur dann zeigen, wenn die Kombination aus Sparvertrag und Darlehensvertrag tatsächlich genutzt wird. Um den Bausparvertrag mit all seinen Eigenschaften zu verstehen, ist es zunächst einmal wichtig, sich über das Prinzip des Bausparens zu informieren.

Wie funktioniert Bausparen?

Im Zusammenhang mit dem Bausparen wird oftmals auch vom sogenannten Bauspartopf gesprochen. Ähnlich wie es bei der Sozialversicherung der Fall ist, so funktioniert auch das Bausparen in gewissem Sinne nach dem Gemeinschaftsprinzip. Sämtliche Bausparer, die ein Bausparvertrag nutzen, teilen sich im Grunde in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe besteht auf aus den aktiven Einzahlern, die Beiträge in den Bausparvertrag einfließen lassen. Die zweite Gruppe besteht aus denjenigen Bausparern, die sich bereits in der Darlehensphase befinden und daher einen bestimmten Betrag in Form des Bauspardarlehens ausgezahlt bekommen haben.

Die Funktionsweise des Bausparens

Den virtuellen Bauspartopf kann man sich so vorstellen, dass auf der einen Seite die Einzahlungen in den Topf einfließen, sodass die Auszahlungen in Form der Bauspardarlehen aus dem Topf „herausgenommen werden“ können. Als Einzahler sorgt man also dafür, dass andere Bausparer eine Finanzierungsmöglichkeit erhalten. Dennoch ist natürlich so, dass jeder Bausparer dafür verantwortlich ist, selbst genug Kapital anzusparen, um später das Bauspardarlehen zu erhalten.

Der Bausparvertrag als reiner Sparvertrag

Der eigentliche Sinn und Zweck des Bausparvertrages besteht darin, zunächst eine bestimmte Kapitalsumme anzusparen, um dann im Folgenden ein zinsgünstiges Bauspardarlehen zu erhalten. In erster Linie wird das Bausparen also genutzt, um das Bauspardarlehen mit in die Immobilienfinanzierungen einzubinden. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, den Bausparvertrag auch als reinen Sparvertrag einzusetzen.

Das Bausparen wird auch von staatlicher Seite aus gefördert, beispielsweise durch die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage. In beiden Fällen können Bausparer diese staatliche Forderung auch dann nutzen, wenn der Bausparvertrag ausschließlich zum Ansparen gedacht ist. Ist dies der Fall, sollte sich der Bausparer allerdings für einen Tarif entscheiden, der einen möglichst hohen Guthabenzins beinhaltet. Auf die Höhe der Darlehenszinsen muss hingegen nicht geachtet werden, wenn das Bausparen ausschließlich dem Ansammeln von Kapital dienen soll.

Der Bausparvertrag als reiner Sparvertrag

Die verschiedenen Bauspartarife

Es gibt nicht nur viele Bausparkassen, die ihren Kunden einen Bausparvertrag anbieten, sondern noch größer ist das Angebot im Bereich der Bauspartarife. Daher sollten Verbraucher zunächst mal festlegen, welche Eigenschaft der jeweilige Tarif haben sollte und worauf besonders zu achten ist. Grundsätzlich gibt es einige Merkmale, die jeder Bauspartarif beinhaltet:

  • Höhe des Sparanteils
  • Guthabenzins und eventueller Bonus
  • Darlehenszinsen
  • Höhe der Tilgung beim Bauspardarlehen
  • eventuelle Sondertilgungen
  • durchschnittliche Dauer bis zur Zuteilung

Im Wesentlichen unterscheiden sich die verschiedenen Bauspartarife in zwei Punkten, nämlich hinsichtlich der Guthaben- und Darlehenszinsen sowie der Höhe der Mindest-Sparsumme. Bei jedem Bauspartarif ist zunächst einmal vorgegeben, wie viel Prozent der vereinbarten Bausparsumme der Kunde ansparen muss, damit eine Bedingung für die Zuteilungsreife des Vertrages erfüllt ist. Je nach Tarif bewegt sich der Mindestsparanteil meistens zwischen 40 und 50 Prozent. Wer also zum Beispiel eine Bausparsumme von 50.000 Euro vereinbart, der muss meistens 20.000 oder 25.000 Euro an Kapital ansparen, um schließlich die Differenz zur Bausparsumme als Bauspardarlehen zu erhalten.

Neben dem Sparanteil sind es vor allen Dingen die Guthaben- sowie die Darlehenszinsen, zwischen denen sich die verschiedenen Bauspartarife unterscheiden. Viele Bausparkassen bieten in dem Zusammenhang Tarife mit speziellen Bezeichnungen an, wie zum Beispiel „Spartarif“ oder „Finanzierungstarif“. Beim Finanzierungstarif ist es beispielsweise so, dass der Sparanteil mit 40 oder weniger Prozent relativ gering ist. Ein Spartarif zeichnet sich hingegen vor allem durch relativ hohe Guthabenzinsen aus, zumindest im Vergleich zu anderen Tarifen. Wer als Verbraucher schon bei Abschluss des Bausparvertrages relativ sicher ist, dass er das Bauspardarlehen später auch in Anspruch nehmen möchte, der sollte sich stets für einen Finanzierungstarif entscheiden, der möglichst geringe Darlehenszinsen beinhaltet.

Die Zuteilung des Bausparvertrages

Wer sich für einen Bausparvertrag entschieden hat, weil er das später erhältliche Bauspardarlehen mit in eine Immobilienfinanzierung einbinden möchte, der muss zunächst die Zuteilungsreife des Vertrages erreichen, bevor das Bauspardarlehen zur Auszahlung kommen kann. Es gibt verschiedene Voraussetzungen, die zunächst erfüllt werden müssen, bevor das Bauspardarlehen beantragt und ausgezahlt werden kann. Eine dieser Voraussetzungen wurde bereits genannt, nämlich die Erfüllung des Mindestsparanteils, der (auf Basis der Bausparsumme) meistens zwischen 40 und 50 Prozent betragen muss.

Eine weitere Voraussetzung, die ebenfalls stets erfüllt sein muss, ist die Einhaltung der Mindestspardauer. Es ist nämlich nicht möglich, heute beispielsweise die gesamten 50 Prozent der Bausparsumme auf einen Schlag einzuzahlen und dann schon in wenigen Wochen das Bauspardarlehen zu erhalten. Die meisten Bauspartarife sehen eine Mindestanspardauer zwischen 18 und 24 Monaten vor.

Die wohl wichtigste Voraussetzung für die mögliche Zuteilung des Bausparvertrages ist das Erreichen der Bewertungszahl. Aus verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel der Höhe des angesammelten Guthabens und der Spardauer, wird die sogenannte Bewertungszahl errechnet. Diese muss einen bestimmten Wert erreichen, damit der Bausparvertrag zuteilungsreif wird. Ist dies der Fall, kann das Darlehen abgerufen werden und steht dem Bausparer danach meistens in bis zu drei Monaten zur Verfügung.

Es gibt also im Wesentlichen drei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, bevor die Auszahlung des Bauspardarlehens beantragt werden kann:

  • Erreichen des Mindestsparanteils
  • Mindestspardauer muss erfüllt sein
  • Bewertungszahl muss erreicht sein
Die Voraussetzungen für einen Bausparvertrag

Die Vorteile und Merkmale des Bauspardarlehens

Das Bauspardarlehen ist der häufigste Grund, warum sich Verbraucher überhaupt für einen Bausparvertrag entscheiden. Der wohl größte Vorteil des Bauspardarlehens besteht in den günstigen Zinsen, von denen Kreditnehmer profitieren können. Nicht selten ist es so, dass die Darlehenszinsen sogar geringer als die ohnehin derzeit niedrigen Hypothekenzinsen sind, die bei einem Immobiliendarlehen zu zahlen sind.

Ein zweiter großer Vorteil des Bauspardarlehens ist, dass es für den Bausparer kein Zinsänderungsrisiko gibt. Der einmal bei Vertragsabschluss festgelegte Zinssatz gilt nämlich für die gesamte Rückzahlungsdauer, sodass die Zinsfestschreibung stets mit der gesamten Rückzahlungsdauer des Bauspardarlehens identisch ist. Der Kunde weiß also bereits bei Abschluss des Bauspardarlehens, welche finanzielle Belastung in Form der Monatsrate später einmal auf ihn zukommen wird. Ein weiterer Vorteil besteht beim Bauspardarlehen darin, dass es sich um ein nachrangiges Darlehen handelt, sodass der Kunde in aller Regel keine erstrangige Kreditsicherheit in Form einer Grundschuld stellen muss. Zudem sind Sondertilgungen in aller Regel problemlos und meistens auch kostenlos möglich.

Den Bausparvertrag als reinen Sparvertrag nutzen

Grundsätzlich ist es problemlos möglich, den Bausparvertrag auch als reinen Sparvertrag zu nutzen, ohne in dem Zusammenhang später das zur Verfügung stehende Bauspardarlehen abzurufen. Allerdings sollten zunächst die Vor- und Nachteile gegenübergestellt werden, bevor man sich dafür entscheidet, den Bausparvertrag ausschließlich zum Ansparen zu nutzen.

Die folgenden Vorteile können genutzt werden, wenn man sich für den Bausparvertrag als reinen Sparvertrag entscheidet:

  • Spezielle Tarife bieten neben den Zinsen auch Boni
  • Guthaben ist sehr sicher
  • unter Einhaltung von Einkommensgrenzen kann staatliche Förderung genutzt werden (Wohnungsbauprämie / Arbeitnehmersparzulage)
  • Bausparvertrag kann auch als VL-Vertrag dienen
  • flexible Sparraten
  • jederzeit einmalige Einzahlungen möglich

Es gibt also durchaus einige Vorteile, die unter der Voraussetzung genutzt werden können, dass der Bausparvertrag als reiner Sparvertrag dient. Die größten Vorteile sind sicherlich die Sicherheit sowie die flexiblen Einzahlungsmöglichkeiten, die man in dieser Form bei kaum einem anderen Sparvertrag findet. Denn normalerweise kennzeichnen sich Sparverträge dadurch, dass feste monatliche Raten zu zahlen sind, wie es beispielsweise bei einem Banksparplan, einer privaten Rentenversicherung oder bei einer Kapitallebensversicherung der Fall ist.

Neben den genannten Vorteilen gibt es allerdings auch einige Nachteile, die beim Bausparvertrag als reiner Sparvertrag ebenfalls berücksichtigt werden sollten. Der wohl größte Nachteil besteht darin, dass die Rendite beim Bausparen meistens geringer als bei anderen Sparverträgen ist, die ebenfalls zum Vermögensaufbau genutzt werden können. Aktuell bewegen sich die Renditen beim Bausparen beispielsweise nur bei rund 1,2 Prozent. Sowohl Banksparpläne als auch private Rentenversicherungen und Fondssparpläne schneiden in diesem Bereich meistens deutlich besser ab. Zwar können beim Bausparen staatliche Förderungen genutzt werden, jedoch wirken sich diese nur zu einem relativ geringen Teil positiv auf die Gesamtrendite aus. Insofern ist der Bausparvertrag zumindest aus Renditegesichtspunkten nicht unbedingt das zu bevorzugende Produkt, wenn es um regelmäßiges Sparen geht.

Der Ablauf beim Bausparen

Für nicht wenige Verbraucher ist das Bausparen auch deshalb auf den ersten Blick sehr kompliziert, weil nicht im Detail bekannt ist, wie eigentlich die verschiedenen Schritte beim Bausparen sind. Dabei gibt es eine klare Strukturierung, aus welchen Bausteinen das Bausparen besteht bzw. welche Schritte beim Bausparvertrag aufeinanderfolgen.

Die folgende Reihenfolge tritt in dieser Form bei jedem Bausparvertrag auch, falls das Bauspardarlehen später genutzt werden soll:

Der Ablauf beim Bausparen

Die Kündigung des Bausparvertrages

Grundsätzlich handelt es sich beim Bausparvertrag um ein sehr flexibles Produkt, was auch dann deutlich wird, wenn es um die Kündigung des Vertrages geht. Es sind nämlich keine langfristigen Kündigungsfristen einzuhalten und zudem gibt es in aller Regel auch keine Vorschusszinsen, die bei einer vorzeitigen Auflösung des Vertrages gezahlt werden müssen. Allerdings kann es unter bestimmten Voraussetzungen sein, dass zuvor erhaltene staatliche Förderungen zurückgezahlt werden müssen, falls die Mindestvertragslaufzeit nicht eingehalten wird. Dies kann zum Beispiel bei einer erhaltenen Arbeitnehmersparzulage der Fall sein.

Ansonsten ist die Kündigung aber problemlos möglich, sodass das bereits vorhandene Guthaben relativ zeitig verfügbar ist. Mit größeren Nachteilen, wie es zum Beispiel bei der Kapitallebensversicherung der Fall ist, ist eine vorzeitige Kündigung des Bausparvertrages ebenfalls nicht verbunden. Allerdings geht natürlich die bereits erworbene „Zeitgutschrift“ verloren, die allerdings nur dann wich die natürlich nur dann wichtig ist, wenn später das Bauspardarlehen in Anspruch genommen werden soll.

Die wesentlichen Eigenschaften des Bausparens im Überblick

Wie an den vorausgehenden Informationen zu erkennen ist, handelt es sich beim Bausparvertrag um ein sehr umfangreiches Produkt, welches verschiedene Facetten hat. Es gibt zahlreiche Eigenschaften, durch die sich das Bausparen auszeichnen kann und die sowohl Sparer als auch Kreditnehmer zumindest in groben Zügen kennen sollten.

Die folgende Übersicht soll noch einmal in Stichpunkten darstellen, durch welche Merkmale und Eigenschaften sich der Bausparvertrag auszeichnen kann:

  • sehr sicheres Sparen
  • Bauspardarlehen mit günstigem Zinssatz
  • Zinssicherheit beim Darlehenszins
  • flexible Einzahlungen möglich
  • Mindestsparsumme meistens 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme
  • staatliche Förderungen möglich
  • Kombination aus Spar- und Darlehensvertrag oder reiner Sparvertrag
  • Bauspardarlehen muss nicht zwingend beansprucht werden
  • optimal in eine Immobilienfinanzierung integrierbar

Das Fazit zum Bausparvertrag

Schon seit Jahrzehnten ist es so, dass der Bausparvertrag seine Stärken in erster Linie dann zeigen kann, wenn die zur Verfügung gestellte Kombination aus Bausparvertrag und Darlehensvertrag genutzt wird. Als reiner Sparvertrag bietet sich der Bausparvertrag zwar grundsätzlich auch an, wobei der Sparer dann jedoch wissen muss, dass die Rendite im Vergleich zu alternativen Sparformen vergleichsweise gering ist. Demgegenüber kann sich der Bausparvertrag dadurch auszeichnen, dass er ein optimaler Bestandteil fast einer jeden Immobilienfinanzierung sein kann. Somit kann als Fazit festgehalten werden, dass der Bausparvertrag insbesondere für solche Personen geeignet ist, die ab Vertragsabschluss innerhalb eines Zeitraumes zwischen drei und acht Jahren den Erwerb oder Bau einer Immobilie anstreben.

Bildquellen

  • eyetronic – Fotolia.com
  • style-photography.de – shutterstock.com